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Annotierte Bibliographie

1. Primärliteratur

Bahr, Hermann: Die Überwindung des Naturalismus. Als zweite Reihe von „Zur Kritik der Moderne“. Dresden 1891.

Bahr, Hermann: Rezensionen. Wiener Theater 1901 bis 1903. Berlin 1903.

Bahr, Hermann: Dialog vom Tragischen. Berlin 1904.

Bahr, Hermann: Sanna. Schauspiel in fünf Aufzügen. Berlin 1905.

Bahr, Hermann: Die Andere. Schauspiel. Berlin 1905.

Bahr, Hermann: Glossen. Zum Wiener Theater (1903-1906). Berlin 1907.

Bahr, Hermann: Selbstbildnis. Berlin 1923.

Bahr, Hermann: Liebe der Lebenden. Tagebücher 1921-1923. Bd. 1. Hildesheim 1925.

Bahr, Hermann: Der Zauberstab. Tagebücher 1924-1926. Bd. 2. Hildesheim 1927.

Bahr, Hermann: Kritiken. Auswahl und Einführung von Heinz Kindermann zum 100. Geburtstag des Dichters. Wien 1963.

Bahr, Hermann: Zur Überwindung des Naturalismus. Theoretische Schriften 1887-1904. Ausgewählt, eingeleitet und erläutert v. Gotthart Wunberg. Stuttgart 1968.

Bahr, Hermann: Prophet der Moderne. Tagebücher 1888-1904. Ausgewählt und kommentiert v. Reinhard Farkas. Wien, Graz, Köln 1987.

Bahr, Hermann: Tagebücher, Skizzenbücher, Notizhefte. Hg. v. Moritz Csáky. Wien u.a. 1994ff.

Bd. 1: 1885-1890. Bearb. v. Lottelis Moser und Helene Zand. 1994.

Bd. 2: 1890-1900. Bearb. v. Helene Zand. 1996.

Bd. 3: 1901-1903. Bearb. v. Helene Zand und Lukas Mayerhofer. 1997.

Bd. 4: 1904-1905. Bearb. v. Lukas Mayerhofer und Helene Zand. 2000.

Bd. 5: 1905-1908. Bearb. v. Kurt Ifkovits und Lukas Mayerhofer. 2003.

2. Sekundärliteratur (teilweise annotiert)

Daviau, Donald G.: Der Mann von Übermorgen. Hermann Bahr 1863-1934. Wien 1984.

In seiner Bahr-Biographie weist Daviau auf Freuds Einfluß auf Bahr zweimal summarisch hin: In dem Stück Sanna (1905) sei „der Einfluß der Gedanken Josef Breuers und Sigmund Freuds [...] deutlich spürbar, [...] in der verbitterten, enttäuschten Mutter und der seelisch kranken Schwester“ (S. 213); und in Bezug auf den Essay Dialog vom Tragischen (1904): „Unter Benutzung der Ideen von Breuer, Freud und Mach demonstriert Bahr, daß Tragödie und Drama an sich in der modernen Welt überflüssig seien, daß das Theater seine Gültigkeit jedoch behielte dank des Schauspielers, der den Zuschauern zeige, wie man leben solle.“ (S. 153f.)

Dittrich, Rainer: Die literarische Moderne der Jahrhundertwende im Urteil der österreichischen Kritik. Untersuchungen zu Karl Kraus, Hermann Bahr und Hugo von Hofmannsthal. Frankfurt am Main u.a. 1988.

Dittrich beschäftigt sich mit den literaturkritischen Schriften Bahrs, um dessen sich wandelndes Moderne-Verständnis nachzuzeichnen: vom Naturalismus über 98 Hermann Bahr den Symbolismus und dessen Vermittlung an die Wiener Moderne bis zum Expressionismus. Dittrich erwähnt weder Freud noch die Psychoanalyse, doch macht seine Darstellung die literaturtheoretischen Voraussetzungen deutlich, unter denen Bahr bestimmte Aspekte des Freudschen Werkes später rezipierte.

Farkas, Reinhard: Hermann Bahr. Dynamik und Dilemma der Moderne. Wien, Köln 1989.

Farkas geht in seiner Bahr-Biographie en passant auf Freuds „kaum zu unterschätzenden Einfluß“ (S. 135), i.e. der Studien über Hysterie, auf das Werk Bahrs ein: „Mit an Ibsen und Freud geschulter Diagnostik“ (S. 168) und „im Licht psychoanalytischer Auffassungen“ (S. 41) wende Bahr den Hysterie-Begriff individual-psychologisch (z.B. in dem Drama Sanna) und sozial-psychologisch an (im Dialog vom Tragischen). Den Begriff ‚Hysterie‘ verwende Bahr „pejorativ“ (S. 147). In einer Fußnote stellt Farkas einen Zusammenhang zu Otto Gross her: „Analog zu den Auffassungen Hermann Bahrs, zielte ein Strang psychoanalytischer Tradition (mit Namen wie Wilhelm Reich oder Otto Gross verbunden) auf die Lösung einer akulturellen Vitalität von moralischen Hemmungen“ (S. 152).

Kindermann, Heinz: Hermann Bahr. Ein Leben für das europäische Theater. Mit einer Hermann-Bahr-Bibliographie v. Kurt Thomasberger. Graz, Köln 1954.

Die erste Bahr-Biographie akzentuiert Bahrs dramaturgische und theaterkritische Arbeiten. Kindermann findet in Bahrs Argumentation in Bezug auf die Schauspielführung „fast schon freudianisch anmutende Argumente“ (S. 186) und in Bezug auf Bahrs Rezension von Ibsens Die Frau vom Meere einen „freudianisch-hysterischen Zug [...] und zwar (1905) mit Parallelen aus den von Freud und Breuer 1895 veröffentlichten ‚Studien über Hysterie‘.“ (S. 209) Auch in Bahrs Theaterstück Sanna sei unter dem Einfluß von Freuds und Breuers „ersten wichtigen und alarmierenden Schriften zur Psychoanalyse [...] viel Psychoanalytisches eingegangen. Die Charaktere sind vor allem von ihren ‚Verdrängungen‘ her sichtbar gemacht. [...] Manches ist hier unter Freuds und Breuers Einfluß ätzender geformt, als man es bei Bahr sonst gewöhnt ist“ (S. 323). Einen etwas ausführlicheren Kommentar gibt Kindermann zum Dialog vom Tragischen und dem Einfluß von Freud und Breuers Schrift darauf. Bahr versuche, „den Freudschen Erkenntnissen kultursymptomatische Allgemeingültigkeit zuzuerkennen“ (S. 219); die Figur des Meisters wage „ein Äußerstes an direkter psychoanalytischer Erklärung der griechischen Tragödie“ (S. 221).

Meier, Michael: Prometheus und Pandora. „Persönlicher Mythos“ als Schlüssel zum Werk von Hermann Bahr (1863-1934). Würzburg 1997.

Im Rahmen seiner (stellenweise psychoanalytischen) Interpretation des Dialog vom Tragischen stellt Meier kurz fest, daß Bahr durch „eine äußerst suggestive Sprache“ (S. 152) den Leser dazu bringen will, den thematisierten „Kampf zwischen Es und Über-Ich“ nachzuvollziehen (S. 152). Meier legt indirekt nahe, daß Bahr psychoanalytisches Gedankengut in seinem Werk verarbeitete, und zwar zunächst unbewußt; „schon vor dem Erscheinen von Freuds Schriften oder seinen Kontakten mit Freudschülern“ (S. 220); später „ohne psychoanalytische Terminologie“ (S. 218).

Worbs, Michael: Nervenkunst. Literatur und Psychoanalyse im Wien der Jahrhundertwende. Frankfurt am Main 1988.

Worbs ist nach wie vor der einzige Autor, der sich speziell mit Bahrs Rezeption der Psychoanalyse beschäftigt hat. Er skizziert Bahrs Wendung vom Naturalismus zum psychologischen Roman im literarischen und geistesgeschichtlichen Kontext: „Bahr fordert [...], offensichtlich angeregt von der ‚Kritischen Grundlegung des transcendentalen Realismus’ Eduard von Hartmanns, des Philosophen des Unbewußten, und von bestimmten Erfahrungen aus der Beschäftigung mit der französischen Literatur, eine Abkehr von der Bewußtseinspsychologie, wie sie zur gleichen Zeit von Sigmund Freud vollzogen wurde“ (S. 82). Worbs vermutet einen Kontakt zwischen Freud und Bahr seit 1902, auch wenn sich nicht belegen läßt, „ob Hermann Bahr tatsächlich in den ersten Jahren der ‚Mittwoch-Gesellschaft‘ an den Diskussionen teilgenommen hat“ (S. 139). „Für den Zeitraum von 1903 bis 1907 läßt sich eine Auseinandersetzung Hermann Bahrs mit der Psychoanalyse, die sich allerdings auf die ‚Studien über Hysterie‘ beschränkt, nachweisen“ (S. 140). „Für eine weitergehende, kontinuierliche Beschäftigung mit der Psychoanalyse gibt es keinen Anhaltspunkt“ (S. 141). Mit Blick auf Bahrs spätere Äußerungen über die Psychoanalyse hält Worbs Bahrs Beziehung zu ihr für „eine rasch überwundene Liebschaft“ (S. 141). Abschließend geht Worbs kurz auf die Reaktion des Freud-Kreises auf Bahrs öffentliches Eintreten für die Studien über Hysterie ein: „Man hatte sich wohl für einen Augenblick der Hoffnung hingegeben, in Hermann Bahr einen einflußreichen Mentor gefunden zu haben“ (S. 143).

3. Weitere Sekundärliteratur (Auswahl)

Busch, Marion; Müller, Gerhard: Dekadente Erotik in Hermann Bahrs Roman „Die gute Schule“. In: Dieter Kafitz (Hg.): Dekadenz in Deutschland. Beiträge zur Erforschung der Romanliteratur um die Jahrhundertwende. Frankfurt am Main 1987. S. 57-71.

Kamla, Thomas A.: Thomas Mann’s „Gefallen“: États d’âmes and the Bahrian New Psychology. In: The German Quarterly 66 (1993), Nr. 4, S. 510-523.

 

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