26.3.1900
Traum, daß ich in Uniform mit Civilhosen (wie im Traumdeutungs Buch von Freud gelesen) aber doch unentdeckt von Kaiser Wilhelm II. (dem ich begegne) von einem Thor (unter den Linden) ins andre gehe.
16.6.1922
Z. N. bei Prof. Freud. (Seine Gratul. zu meinem Geburtstag, meine Antwort, seine Einladung.) Frau und Tochter Anna (die Lili im vorigen Jahr ein paar Monate unterrichtet hat). - Hatte ihn bisher nur ein paar Mal flüchtig gesprochen. - Er war sehr herzlich. Unterhaltung über Spitals- u. Militärzeiten, gemeinsame Chefs etc. - [...] Dann zeigte er mir seine Bibliothek - eignes, Übersetzungen, Schriften seiner Schüler, allerlei kleine antike Bronzen etc., - er ordiniert nicht mehr, sondern bildet nur Schüler aus, die sich - zu diesem Zweck von ihm analysiren lassen. Schenkt mir eine schöne neue Ausgabe seiner Vorlesungen. - Begleitet mich in später Stunde von der Berggasse bis zu meiner Wohnung. - Das Gespräch wird wärmer und persönlicher; - über Altern und Sterben; - er gesteht mir gewisse Solneßgefühle ein (die mir völlig fremd sind).
16.8.1922
Träume u.a. In der verlängerten Kärntnerstr. treffe ich (etwa vor Hopfner)
Helene Binder (schrieb ihr gestern, antwortend eine Karte-) (sie wohnt Wieden) - ich sage ihr u.a.: denken Sie, genau an der selben Stelle traf ich (heute? vor einer halben Stunde?) Prof. Freud - und sehe zugleich - nicht wie ich ihn treffe, sondern wie er sich entfernt (Absicht ihn zu besuchen - Stellung zur Psychoan.!)
Vorm. auf den Salzberg. [...] In seinem Zimmer spricht er (Freud) mir von seiner Arbeit: „Ich und Es“,- die beeinflußt sei von einem seiner Schüler Groddeck (dessen Roman „Der Seelensucher“) -; ich erzähle ihm meinen Traum; - wie reden vom Mythos der Begriffe - ich finde gewisse Analogien in seinen und Artur Kfm.s (den er nicht kennt) Auffassungen (nur den „Mythos“ betreffend). - Wir essen zusammen. Seine Tochter Frau Hollitscher; ihr Mann. - Harmlos heitre Unterhaltung. Auf seiner schönen Terrasse (kühl, trüb -) ...von Mahler; er erzählt mir von M.s Consultation in Leiden (Holland) - ich kann ihm bestätigen, wie nach dieser (durch sie?) das letzte Ehe- (und Lebens-)jahr Mahlers sehr glücklich gewesen. - Ich erzähle von der Rolle, die Teiche (Weiher) in meinen letzten Productionen spielen; - er sagt: „das ist der Kinderteich“ - ich bezweifle die Notwendigkeit dieser Determination (wie ich doch immer wieder monomanisches in seiner Betrachtungsweise, auch spielerisches herausspüre -)... In seinem gesammten Wesen zog er mich wieder an, und ich verspüre eine gewisse Lust, über allerlei Untiefen meines Schaffens (und Daseins) mich mit ihm zu unterhalten - was ich aber lieber unterlassen will.
Druckvorlage: Arthur Schnitzler Tagebuch 1873 - 1931. Unter Mitwirkung von Peter Michael Braunwarth u.a. Wien 1981.
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